Unternehmen, Mittelstand, Ruhestand, Management, Unternehmertum, Führung, Mitarbeiter

Die Ruhestandsgratulationskarte

„Jetzt wird gelebt, gereist, gelacht und nur das getan, was dir Spaß macht!“ – so stand es auf der Geschenkkarte, die ich aus dem Kartenständer gezogen hatte. 

Ich war vor unterwegs, um eine Geburtstagskarte zu kaufen. Und in dem Laden gab es eine Fülle an Karten: Weihnachtskarten. Karten zur Silberhochzeit. Zur Goldenen Hochzeit. Überhaupt zur Hochzeit. Trauerkarten. Klar, Geburtstagskarten – und eben auch eine Rubrik, die nannte sich „Ruhestand“. Und aus der zog ich diese Ruhestandstandsgratulationskarte heraus. Ein echt trauriges Fundstück, wie ich. Warum? Das möchte ich euch erzählen.

Zur letzten Ruhe gebettet

Schon das Wort „Ruhestand“ macht mich traurig, es klingt in meinen Ohren nach Stillstand, nach „zur letzten Ruhe gebettet“. Diese Reiseutensilien, die das Motiv der Karte abgeben, machen das in meinen Augen auch nicht besser: Auf eine letzte Reise gehen … 

Warum sehe ich das so?

Weil es heißt „jetzt wird gelebt …“. Als wenn die Zeit vorher kein Leben gewesen wäre, als wenn vorher kein Lachen möglich gewesen wäre. Keine Reisen. Kein Spaß.

Was muss das für ein Gefühl sein, eine solche Karte dann in Händen zu halten, vielleicht noch eine goldene Uhr geschenkt bekommen zu haben – als Wiedergutmachung für die verlorene Zeit ohne Lachen, ohne Reisen, ohne Spaßes gewissermaßen. Was für ein Gefühl muss das sein, auf ein Leben zurückzublicken und festzustellen: Für all das, was mir wichtig ist, bleibt mir nicht mehr viel Zeit.

Endlich geschafft

Und das finde ich traurig.

Weil ich denke, dass es wirklich viele Menschen gibt, die das genauso empfinden. Weil sie von kleinauf das so erleben. Weil sie keine Erfahrungen machen oder zulassen, die ihnen zeigen, dass ein anderes Leben und Arbeiten möglich ist.

Weil ein solcher Spruch wie „Noch fünf Jahre bis zur Rente – dann habe ich es geschafft, endlich!“ mir immer noch normal zu sein scheint. Leben als pures Durchhalten, Jahrzehnte Tätigkeiten nachgehen, die einen nicht erfüllen, mit Menschen, an denen einem nichts liegt – wie traurig.

Wer, der Jahrzehnte ein Leben geführt hat, das ihn nicht erfüllte, schafft es dann noch, die Kurve zu kriegen?

Unternehmertum verfehlt

Wir hatten bislang bei bestbion noch niemanden, der in Rente ging.

Stelle ich mir aber vor, dass dies irgendwann der Fall sein wird und dieser Mitarbeiter bekommt von einer Kollegin oder einem Kollegen eine solche Ruhestandskarte – und das nicht als Scherz, sondern als wirklich wohlmeinenden Abschiedsgruß –, dann würde ich sagen: Ich habe als Unternehmer versagt.

Denn dann habe ich es nicht geschafft, ein nachhaltiges und sinnstiftendes Unternehmen aufzubauen, wenn eine solche Karte ernsthaft verschenkt wird. 

Und das fände ich wirklich traurig. 

David

PS: In David’s Diary erfahrt ihr mehr über mich und meine Sicht des Unternehmertums. Abonniert doch einfach meinen Newsletter, dann verpasst ihr keine Folge. Hier gehts zur Anmeldung: https://david-stammel.de

Vorheriger Beitrag
Beste Freunde – wahrhaftig zusammenarbeiten
Nächster Beitrag
Wer sind die Stars in eurem Unternehmen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Sie müssen den Bedingungen zustimmen, um fortzufahren.

Menü