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„Seid selbst die Disruption!“ – Gedanken über Unternehmertum

„Doch! Ich sehe das so. Doch, doch!“ – es fehlte nur noch, dass er die Hände ballte und mit dem Fuß aufstampfte: ,Ich will aber! Will! Will! Will!“ Wie so ein kleines Kind. 

Diese Übung, die uns die Moderatorin im Workshop machen ließ, brachte interessante Eigenheiten der Persönlichkeiten zum Vorschein. Einer gebärdete sich als Kleinkind, ein anderer wirkte so, wie ich mir immer das wütende Rumpelstilzchen vorgestellt habe. Das sich schier zerreißt, weil es seinen Willen nicht bekommt.

Die Übung hieß „Killing your Darlings“ – und die zugrunde liegende Technik halte ich für einen Unternehmer für grundlegend. Warum? Das möchte ich euch kurz erzählen …

Disruption ist Spaltung ist …

Jetzt steht Disruption ja zunächst einmal als Begriff nicht besonders gut da: Disruption bedeutet Störung, Unterbrechung, Erschütterung. Disruptive Neuerungen sind so neu, dass sie ein System komplett umwälzen. In Disruption steckt eine Menge Spaltung. 

Aber ich sehe das auch als Chance: Eben dann, wenn ich es als Unternehmer, und hier meine ich „Unternehmer“ sowohl als Inhaber und Leader eines Unternehmens als auch als Unternehmer seines Leben, schaffe, zur Disruption in den eigenen Reihen zu werden.

Was meine ich damit?

Mit Disruption der Spaltung begegnen

Die Übung „Killing your Darlings“, die meine Kollegen im Workshop, alles gestandene Führungskräfte und Unternehmer, und ich machen sollten, ging so: Uns wurde ein Thema vorgegeben, in einem Brainstorming in der Gruppe wurden 15 Ideen zu diesem Thema gesammelt. Dann kam der „Killing your Darling“-Schritt: Die fünf besten Ideen sollten wir dann „killen“ – und das brachte das Kleinkind und Rumpelstilzchen zum Vorschein: Denn es zeigte sich, dass vielen dabei so richtig ihr Ego in die Quere kommt. „Hey, ich soll meine beste Idee ad acta legen? Hallo, das ist meine Idee! MEINE!“

Diese Verteidigung der eigenen Ideen fand ich sehr bemerkenswert. Und sie führt, finde ich, zu einer sehr unproduktiven Spaltung: ICH – MEINE IDEEN vs. alle anderen.

Ich kapsele mich total in meine eigene kleine Ideenwelt ein – aber warum sollte diese meine kleine Ideenwelt die beste sein?

„Es kommen bessere nach!“

Die Übung machte deutlich, wie schwer es uns fällt, unsere Ideen, einfach nur deswegen, weil es unsere sind, über Bord zu werfen. Das kann für einen Unternehmer zu einem echten Problem werden: Wenn er sich zum Beispiel an einer Lösung für seine Kunden, an einem Produkt, festbeißt, weil er denkt, es sei das beste: „Hey, diese verbesserte Federung für Kutschen sorgt für eine bequemere Fahrt“ – und zack, sind Kutschen passé.

Unternehmer brauchen die Offenheit und die Möglichkeit, sich von ihren eigenen Anschauungen zu lösen. Sie sollten bereit sein, alles über Bord werfen zu können – die Disruption in den eigenen Reihen zu sein –, um Platz für Neues zu schaffen.

Von Thomas Alva Edison wird Folgendes erzählt: Seine Forschungshalle ist abgebrannt. Die Helfer fanden ihn in der Nähe, er betrachtete lachend das Feuer, in dem alle seine Patente, seine Erfindungen verbrannten. Die Leute fanden das natürlich sehr befremdlich. Warum raufte er sich nicht die Haare, verzweifelte nicht, weil seine Erfindungen, seine Patente verbrannten? Er sagte: „Ist egal, es kommt was Besseres nach.“

Dieses Vertrauen, dass ich nicht auf Teufel komm raus, an meinen Ideen festhalten muss, dass neue, bessere nachkommen, halte ich für einen Unternehmer seines Lebens für zentral: Weil ihr somit offen für neue Impulse sein könnt, weil ihr somit offen für andere Menschen und deren Ideen und Gedanken sein könnt.

David

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