Motivation, Krise, Leben, Arbeit, sein Bestes geben, Antrieb, Leidenschaft, Unternehmer, David Stammel

Das Beste geben – nicht nur bei schönem Wetter

Vor ein paar Tagen fiel mir ein alter digitaler Bilderrahmen in die Hände, der lange Zeit auf meinem Schreibtisch stand. Auf den hatte ich jede Menge Zitate, Bilder, Motivationssprüche gepackt. Beim Durchblättern stieß ich unter anderem auf ein Zitat des Autors und Unternehmers Bodo Schäfer. Es lautete: „Du wirst nicht viel im Leben erreichen, wenn du nur an Tagen arbeitest, an denen du dich gut fühlst.“ Als ich das las, fühlte ich mich etwa 20 Jahre zurückversetzt …

Er spielte so gut wie nie zuvor.

Kölner Philharmonie. Der Saal ist ausverkauft. Etwa tausend gut gelaunte Zuschauer warten auf die Kölner Gruppe „Die Höhner“, die an diesem Abend ihr Programm „Höhner Classic“ spielen – zusammen mit der Jungen Sinfonie Köln. Und bei denen spielte ich als Posaunist mit. Während ich also auf meinen Auftritt warte, kommt mein Posaunenkollege in die Garderobe und ist völlig niedergeschlagen: Bei seiner Frau wurde Brustkrebs diagnostiziert. Wir schlagen ihm natürlich alle sofort vor, dass er aussetzt und wir seinen Part irgendwie mit übernehmen. Damit er bei seiner Frau bleiben kann. Aber er lehnt ab: „Nein, da draußen warten tausend Menschen darauf, eine gute Zeit zu haben.“

Falls ihr Die Höhner nicht kennt: Ein Abend mit denen bedeutet drei Stunden oder mehr gute Laune, kölsche Ausgelassenheit, Schunkeln, Spaß am Leben haben – also alles, wonach meinem Kollegen in dieser Situation wohl gerade nicht war.

Aber trotzdem: Er ging raus auf die Bühne, hat alles gegeben, strahlte, feierte mit und spielte das Konzert seines Lebens. Ehrlich gesagt kann ich mich nicht erinnern, ihn jemals vorher so gut spielen gehört zu haben.

Woran erkennt ihr einen Vollprofi?

Mich hat das damals extrem fasziniert. Dass er es geschafft hat, sich selbst in dieser Situation zu motivieren, sein Bestes zu geben. Er hat sich in diesem emotional schwierigen Moment nicht vor seiner Aufgabe gedrückt – was niemand ihm übelgenommen hätte –, sondern weitergemacht. Auch wenn er vielleicht nur ein kleines Steinchen, ein kleines Zahnrädchen im Orchester war – er hat mit dafür gesorgt, dass die Leute bekamen, worauf sie sich gefreut hatten: eine richtig gute Zeit.

Für mich sind Menschen, die so etwas können, die wahren Vollprofis. Die ihr Bestes eben nicht nur bei schönem Wetter geben.

Was ich damit nicht sagen will: dass wir Menschen uns wie Maschinen verhalten sollten, die emotionslos ihre Aufgabe erfüllen. Was ich auch nicht sagen will: dass wir Menschen unsere Sorgen und Nöte verdrängen und egal, was passiert, so tun sollten, als wäre nichts passiert. Das macht auf Dauer krank und am Ende sind wir dann nicht mehr wir selbst, sondern tragen eine Maske, unter der wir uns selbst nicht wiedererkennen.

Das hat mein Musikerkollege damals auch nicht getan. Er hat weder seine Gefühle unter den Teppich gekehrt, noch eine Maske aufgesetzt. Er hat eine bewusste Entscheidung getroffen.

Woran erkennt ihr, ob ihr liebt, was ihr tut?

Was ich also mit dieser Geschichte sagen will: Wir Menschen können uns auch in schwierigen Situationen, auch wenn es uns mal nicht so gut geht, selbst motivieren, unser Bestes zu geben. Salopp gesagt: Wir können uns selbst in den Hintern treten.

Warum ist das bei vielen Menschen anders? Warum schieben sie schwierige Situationen als Ausrede vor, ihre Arbeit nicht oder schlecht zu tun. Warum nutzen sie jede Gelegenheit, sich als Opfer zu stilisieren – und zu fühlen. Es ist ja nicht so, als ob sie dabei glücklich wären. Das glaube ich überhaupt nicht. Ich glaube, sie haben sich von sich selbst abgespaltet.

Auch in meinem Leben gab es Phasen, in denen es mir ähnlich ging, in denen ich auf besseres Wetter gewartet habe, bevor ich mich zu etwas aufraffen konnte.Aber das hat mich nicht glücklich gemacht. Inzwischen stelle ich mir in solchen Situationen eine Frage, die auch ihr euch immer wieder einmal stellen solltet: Liebe ich, was ich tue?

Mein Musikerkollege damals in der Kölner Philharmonie hat geliebt, was er tat. Und deshalb konnte er sich selbst in dieser niedergedrückten Stimmung zu den Höhen seiner Kunst aufschwingen.

David

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