David Stammel, Unternehmer, Unternehmertum, Firmenleitung, Unternehmenskultur, Mitarbeiter, Arbeiten muss Freude machen, Sinn machen, gerade auch für Unternehmer, das Unternehmen ist der Spiegel des Unternehmers

Erfolgreiche Unternehmen brauchen echte Unternehmer

Wie schon so oft stand ich morgens vor der Tür meiner Firma bestbion. Doch in diesem besonderen Moment vor einigen Jahren wusste ich noch nicht, dass ich an einem Wendepunkt in meinem Leben als Unternehmer angelangt war. Ich streckte die Hand aus, öffnete die Tür. Einige meiner damaligen Mitarbeiter waren bereits da, sahen mich hereintreten – und ich blieb wie angewurzelt stehen. Die Türklinke hatte ich noch in der Hand. Ich weiß noch genau, wie sich das damals anfühlte. Das Metall der Klinke, die ich nicht loslassen wollte. Die müden und vorwurfsvollen Blicke meiner Angestellten. Und vor allem: Wie groß in diesem Moment in mir die Abneigung war, überhaupt dort zu sein. Mit diesen Mitarbeitern zu reden, zusammenzuarbeiten. Meinen und ihren Arbeitstag zu beginnen.

„Aber das ist doch dein Unternehmen?!“, schoss es mir durch den Kopf. „Wo kommt nur dieser Widerwille her?“ 

Warum kann ich mein eigenes Unternehmen nicht leiden?

Ich habe damals gemerkt, dass ich kaputt gehen werde, wenn ich nichts ändere. Es kann doch nicht sein, dass ich in einem Unternehmen arbeite, das mir nicht gefällt – und das sogar ein Teil von mir ist!

Ganz klar konnte ich auch benennen, was mir nicht gefiel: die Unternehmenskultur. 

Diese wurde von einer Haltung geprägt, die in der Arbeit nur den Broterwerb sah. Der Umgang miteinander war unpersönlich. Meine damaligen Mitarbeiter wurden hauptsächlich durch das Geld motiviert. Das Vertrauen ineinander fehlte. Wir zogen nicht an einem Strang. Das führte zu Missgunst und dazu, dass jeder dem anderen die Verantwortung in die Schuhe schob. Es herrschte eine Kultur von „Der Arbeitgeber ist für mein Glück zuständig“, eine Wenn-Dann-Kultur (wenn ich das bekomme, dann mache ich das …), eine Kultur, in der jede Minute, die gearbeitet wird, akribisch aufgeschrieben wird.

Das war eine Kultur, in der eine ganz klare Entscheidung fehlte: Ja, ich will hier sein, weil das für mich Sinn macht. Weil ich es liebe, was ich hier tue! Dass diese Entscheidung, dieses Gefühl fehlte, war kein Zufall!

Das geht gar nicht!

„Mittelmäßige Chefs stellen gute Mitarbeiter ein!“, so heißt es, „Und die wirklich guten Chefs stellen Mitarbeiter ein, die besser sind, als sie selbst – weil sie das Unternehmen weiterbringen.“

Ich war damals nur ein mittelmäßiger Chef, denn ich hatte die für mich als Persönlichkeit wichtigen Entscheidungen noch nicht getroffen. Ich wusste nicht, wohin ich als Unternehmer will. Ich wusste zwar, was ich nicht wollte – aber das war es auch schon.

Der David von damals stand noch nicht zu seinen Werten. Er traute sich das nicht zu. Er traute sich vieles nicht zu. Und gerne wollte er es allen recht machen. Und das alles spiegelte sich in der Kultur meines Unternehmens wider.

So entstand eine Unternehmenskultur aus dem Zufall heraus. Die zu einem Unternehmen führte, das ich in diesem Moment auf der Türschwelle für mich als wenig wertvoll ansah. Das geht natürlich gar nicht!

Seid Unternehmer eures Lebens!

Was habe ich getan? Ich habe viele kluge Bücher gelesen. Über Unternehmenskultur. Management. Hat aber alles nicht geklappt. Mein Unternehmen und ich dümpelten vor uns hin – bis ich verstand, dass ich mich als Unternehmer verändern muss.

Das packte ich dann an. Persönlichkeitsentwicklung. Klingt ja recht weichgespült. Nicht gerade das, was ein Unternehmer braucht, um in der harten Realität zu bestehen, oder? Pustekuchen. Mit Wattebäuschen werfen war da nichts. Sich heftig mit der eigenen Vergangenheit beschäftigen, sich selbst in Frage zu stellen, alte Wunden aufzureißen – das war nicht ohne. Das war krass.

Und ich lernte: Ich war als Persönlichkeit noch nicht echt. Ich trug eine Maske. Ich hatte die Entscheidungen noch nicht getroffen, die aus meinem Leben MEIN Leben machen.

Und meine Erfahrungen mit dem späteren Erfolg meines Unternehmens und der Lust, mit der ich heute ins Unternehmen gehe … Der Spaß, den ich im Leben habe, die wahnsinnige Befriedigung, die es mir bereitet, mit einem tollen Team, wie ich es heute habe, wirklich sinnvolle Dinge anzupacken … –  all das lässt mich heute sagen: 

Wenn ihr Unternehmer sein wollt, erfolgreiche Unternehmer, dann müsst ihr nicht nur Unternehmer in eurem Unternehmen sein, sondern Unternehmer eures Lebens. Und das geht nicht, wenn ihr nicht wisst, wer ihr seid, wohin ihr wollt – und nicht mit eurer ganzen Persönlichkeit dafür einsteht. 

Ein Unternehmen ist der Spiegel des Unternehmers. Erfolgreiche Unternehmen brauchen echte Unternehmer.

Ich ließ los

Und so ging ich eines Tages in mein Unternehmen, ließ hinter mir erneut die Tür ins Schloss fallen und stellte mich – mit ordentlich Grummeln im Bauch, ein Gefühl wie vor meinem Fallschirmsprung  – vor meine damaligen Mitarbeiter.

„Ich bin nicht mehr bereit, so weiterzumachen. Ich sehe für mich …“, so begann ich – und stellte damit die Weiche hin zu der geilen Firma, die bestbion in meinen Augen heute ist, „und das Unternehmen einen anderen Weg – und ich möchte jeden dazu einladen, den Weg mitzugehen, wenn er das denn wirklich will.“

Und dann erzählte ich, was ich mir vorstelle: Ein Team, das liebt zu tun, was es tut. Ein Miteinander, das dafür sorgt, dass alle als Persönlichkeiten wertgeschätzt werden und wachsen können. Ein Unternehmen, das für jeden Einzelnen viel mehr Sinn macht, als dass es um Prestige oder das reine finanzielle Auskommen geht.

Ich zeigte mich an diesem Tag ohne Maske, David ungeschminkt – und mir war im Vorfeld klar gewesen, dass das vielen meiner damaligen Mitarbeiter nicht gefallen würde. Dennoch war es hart, dass viele nicht mitgehen wollten. Wir trennten uns voneinander.

Aber dieser Schritt war absolut notwendig. Ich ließ meine Unsicherheiten und Ängste los und machte klar, wie wichtig mir diese Entscheidung für eine andere Unternehmenskultur ist. Und dadurch entstand im Laufe der letzten Jahre etwas, was ich wirklich wertvoll find. Ein echt grandioses, erfolgreiches Unternehmen.

David

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