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Warum ein schlechter kununu-Score noch nichts über die Mitarbeiterzufriedenheit bei euch aussagt

Plattformen wie kununu sollen Mitarbeitern die Möglichkeit geben, ihr Unternehmen in Sachen Mitarbeiterzufriedenheit zu bewerten, damit sich potenzielle Bewerber einen Eindruck verschaffen können. So weit, so gut. 

Womit ich aber echte Schwierigkeiten habe, ist, dass der Score, der sich aus diesen Bewertungen ergibt, nichts mit der Wirklichkeit im Unternehmen zu tun haben muss. Dabei gibt es nämlich vier Probleme.

1. Problem: Wer schreibt da?

Die, die von sich aus Bewertungen einstellen, sind in der Regel die Menschen, die ein Problem mit eurem Unternehmen haben oder hatten. Das beobachte ich häufig gerade bei solchen Unternehmen, die nicht von vorne herein mit einer klaren Unternehmens- und Wertekultur gestartet sind. Die, die sich von der immer deutlich zu Tage tretenden Kultur schließlich abgestoßen fühlen, ergreifen die Möglichkeit nachzutreten. Da die Bewertung anonym erfolgt, kann sich da jeder austoben.

2. Problem: Wer kann es schon allen recht machen?

Ich glaube, es gibt kein einziges Unternehmen, das es im Verlaufe seiner Geschichte allen seinen Mitarbeitern recht machen kann. Es ist ein Mythos, dass in den „visionären Firmen“ tatsächlich alle glücklich sind. Das liegt nicht an der Qualität der jeweiligen Unternehmenskultur, sondern daran, dass eine einzige Kultur niemals für alle Menschen passt. Dafür sind die Menschen zu unterschiedlich. Deshalb würde ich jeden raten, eine unisono 100prozentige 5-Sterne-Bewertung immer zumindest zu hinterfragen.

3. Problem: Welcher Bewerber findet eine Ablehnung gut?

Seit einiger Zeit gibt es auf kununu auch die Möglichkeit, das Recruiting zu bewerten. Puh, das heißt, abgelehnte Bewerber können ihrer Enttäuschung freien Lauf lassen. 

Das mag bei großen Firmen wie Amazon bei ihrer Gesamtbewertung nicht ins Gewicht fallen, bei kleineren dagegen schon. Stellt euch vor, ihr habt zwölf zufriedene Mitarbeiter, bekommt dann aber innerhalb von kurzer Zeit drei negative Bewertungen von einer solchen Seite. Die Zahlen alleine haben also nie Aussagekraft, solange die Quelle nicht dabei steht – aber die kann ja keiner prüfen, weil die Einträge anonym sind.

4. Problem: Welches Mindset prägt die Plattform?

Ich habe immer noch den kununu-Newsletter abonniert und komme bei der Themenauswahl jedes Mal ins Kopfschütteln. Da lese ich nur Überschriften wie „Warum dein Chef dich belügt“ oder „Wie ihr mehr Geld bekommt“. Da frage ich mich schon, was da für eine Haltung gegenüber Unternehmenskultur und Unternehmen herrscht. Und welche Nutzer sich davon angezogen fühlen.

Das Mindset, das ich hier sehe, treibt einen Keil in die Unternehmen hinein, spaltet Mitarbeiter und Unternehmer. Und auch wenn mich nicht scheue, in einen Konflikt hineinzugehen – Spaltung ist keine Haltung, die ich als produktiv für die Zusammenarbeit ansehe.

Dennoch: Keine Angst vor negativen Bewertung!

Unser Score ist vor Kurzem durch eine einzige Bewertung spürbar gesunken. Das stört mich aber gar nicht so, denn wenn sich jemand die Mühe macht, nachzulesen, erkennt er schnell: Aha, in diesem Unternehmen ist Leidenschaft von Mitarbeiterseite gefordert. Und da kann uns nur recht sein, dass sich nur solche Menschen bei uns bewerben, die das nicht stört und es sogar gut finden. Die hinter diese Maske schauen, die ein Score vorspiegelt.

Trotzdem ärgert es mich, dass diese Scores vorgeben, sie könnten eine Vergleichbarkeit herstellen, es aber aus verschiedenen Gründen nicht tun und nicht tun können. Das nützt am Ende niemandem außer der Plattform selbst.

David

PS: Wenn ihr noch mehr aus dem wahren Unternehmerleben lesen wollt, meldet euch einfach zu David’s News an: https://david-stammel.de

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